Elefant (Loxodonta Afrikana)
(von Greg Sharam und Dick Estes)
Stellen Sie sich vor, Sie besteigen einen Berg des Waldgebietes der Serengeti und vor sich sehen Sie ein ganzes Tal voller Elefanten. Es sind so viele, dass Sie zunächst denken, sie seien jene großen grauen Felsen, die Kopjes - nur, dass diese hier sich bewegen. Die Elefanten drehen sich um, prüfen die Luft und fressen weiter, quietschen, schaukeln und tun all die unzähligen Dinge, die den afrikanischen Elefanten in der ganzen Tierwelt berühmt gemacht hat.
Der afrikanische Elefant ist das größte Landtier und wiegt mit seinen 3000-5000 kg soviel wie 4 Autos. Und selbst für Menschen, die mit dem Anblick dieser Tiere vertraut sind, ist die Größe und Masse der Elefanten, vor allem aus der Nähe betrachtet, immer wieder beeindruckend. Sowohl Elefantenkühe als auch -bullen können ausgewachsene Bäume auf der Suche nach Futter einfach ausreißen. Genauso souverän können sie kleinste Samenkörner oder Nüsse mit ihrem fingerartigen Rüssel greifen.
Elefanten waren früher im gesamten Saharagebiet verbreitet. Durch die verstärkte Besiedelung des Landes und Wilderei werden die Elefanten immer weiter in abgelegene Gebiete, Nationalparks und Reservate zurückgedrängt. Heute sind Elefanten in Afrika in zahlreichen Lebensräumen wie Sümpfen und Wäldern, Steppen und Savannen bis zur weiten namibischen Wüste noch immer weit verbreitet.
Sozialleben
Die meisten Elefanten leben in Herden von 2 bis 24 Tieren. Die Herden werden von der ältesten Elefantenkuh oder "Matriarchin" angeführt. Sie kann bis zu 60 Jahre alt werden. Eine Herde besteht aus einer oder mehreren Familiengruppen. Jede Gruppe besteht aus den direkten älteren Töchtern der Matriarchin und deren Nachkommen. Elefantenbullen leben mit den Herden, bis sie die Pubertät erreichen, dann verlassen sie diese und schließen sich Junggesellenherden an oder schlagen sich alleine durch. Während der Paarungszeit, am Ende der Regenfälle, sammeln sich Elefanten in großen Gruppen von 100-200 Tieren.
Die Struktur der Elefantengesellschaften innerhalb einer Herde richtet sich nach dem Alter; die Matriarchin steht an der Spitze, und alle weiteren Tiere sind ihr entsprechend ihrem Alter untergeordnet. Ältere Elefanten lehren die jüngeren, wie sie sich verhalten und was sie über Landschaft und Nahrung wissen müssen. Die Matriarchin lebt weit über ihr fortpflanzungsfähiges Alter hinaus. Man geht davon aus, dass ihre verlängerte Lebensdauer wichtig ist, um nachkommende Generationen auszubilden. Diese Eigenschaft wohnt nur Elefanten und Menschen inne. Häufig sieht man, wie erwachsene Elefanten jüngere mit Rüsselschlägen oder Lauten zur Ordnung rufen.
Die Matriarchin entscheidet, wann die Herde weiterzieht oder Nahrung aufnimmt. Sie ist normalerweise die erste, die sich in Bewegung setzt oder zum Fressen anhält, die Herde bleibt selten mehr als 50 m hinter ihr oder voneinander entfernt. Droht Gefahr, dann sammelt sich die Herde um die Matriarchin und sucht schnell Schutz.
Elefantenmännchen oder Bullen leben alleine, in Zweiergruppen oder Junggesellenherden. Die Elefantenmännchen werden von der Herde vertrieben, in die sie geboren wurden, wenn sie erwachsen werden. Geschlechtsreife Männchen von 12-13 Jahren werden sexuell aktiv und ungestüm. Dieses Verhalten wird vor allem von den Müttern junger Kälber nicht toleriert. Die Männchen verbringen den Rest ihres Lebens abwechselnd gemeinsam mit anderen Männchen oder als Einzelgänger. Elefantenbullen durchleben immer wieder Zeiten, in denen sie höhere Testosteronspiegel aufweisen, aggressiv werden und auf der Suche nach Paarungsgelegenheiten sehr weite Wanderungen auf sich nehmen.
Ein typischer Elefantentag
Ein typischer Elefantentag wird von den 16 Stunden Nahrungsaufnahme dominiert, die zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen für diese Körpermassen notwendig sind. Die Nahrungsaufnahme findet in mehreren Phasen statt, am frühen Morgen, am späten Nachmittag und während der Nacht. Elefanten schlafen täglich 4-5 Stunden, manchmal lehnen sie sich dabei gegen einen Baum, schlafen im Stehen oder legen sich hin. Weitere Aktivitäten sind die Suche nach neuem Futter, die Wanderung zu Wasserlöchern und kleine Rangeleien. Wenn möglich, trinken Elefanten täglich, obwohl sie auch mehrere Tage ohne Wasseraufnahme überstehen können. Sie können auch nach unterirdischen Wasserquellen suchen und graben, z.B. in Sümpfen oder ausgetrockneten Flussläufen. Nach dem Trinken suhlen sich Elefanten gerne im Wasser oder besprühen sich damit, danach wälzen oder besprühen sie sich mit Staub. Eine ordentliche Schlammschicht ist ein guter Schutz gegen Insektenstiche und Parasiten, die sich in die Haut graben.
Kommunikation unter Elefanten
Elefanten verfügen über eine Vielzahl visueller Zeichen und Laute. Diese können von einer Mutter, die ihr Kalb durch Schwanzberührung lenkt, bis zu furchteinflössend aufgestellten Ohren oder wütend aufgerolltem Rüssel reichen.
Es gibt zwei Arten visueller Kommunikation bei Elefanten: aggressives und defensives/unterwürfiges Verhalten. Aggressives Verhalten zeichnet sich bei Elefanten im allgemeinen dadurch aus, dass sie sich der Bedrohung zuwenden und dabei in ihrer vollen Größe aufrichten, dabei stellen sie die Ohren ab, um noch größer zu wirken, und schwenken den Kopf auf und ab. Fühlt sich das Tier sehr bedroht, kann es "bluffen", indem es wütend auf die Bedrohung zuläuft, um dann daran vorbeizurennen. Elefanten greifen den Gegner an, wenn sie sich stark bedroht und verängstigt fühlen, oder wenn sie früher Erfahrung mit dieser Form der Bedrohung gemacht haben, wie z.B. ein verwundetes Tier. Wenn das Tier angreift, versucht es normalerweise seinen an Körpergröße unterlegenen Gegner mit den Stoßzähnen umzustoßen und das Opfer dann zu zertrampeln oder sich darauf zu knien.
Beim defensiv/unterwürfigen Verhalten verlässt das Tier das Territorium, legt die Ohren an, krümmt den Rücken, hebt den Schwanz und bewegt den Rüssel heftig. Junge oder Babyelefanten stecken den Rüssel in das Maul der Mutter oder eines älteren Elefanten.
Die beiden häufigsten Geräuschtypen des Elefanten sind Grunzen/Knurren und Trompetengeräusche. Lange dachte man, das Grunzen komme vom Magen, tatsächlich wird es auf die gleiche Weise erzeugt wie unsere Rufe oder Schreie. Elefanten grunzen, um sich über große Distanzen zu verständigen oder um ihre Position anzuzeigen. Sehr tiefe Grunzlaute, für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar, können über mehrere Kilometer hinweg übertragen werden. Wenn ein Elefant wütend, missmutig oder überrascht ist, grunzt er lauter, was sich wie Knurren anhört. Das Trompetengeräusch entsteht, indem der Elefant durch seinen Rüssel trötet und der Körper wie ein Resonanzkasten schwingt. Elefanten trompeten, wenn sie aufgeregt oder sehr wütend sind.
Wenn Sie viel Zeit mit Elefanten verbringen, können Sie zwei weitere Geräusche wahrnehmen: Quieken und Schreien. Fühlen sich Babys bedroht oder verängstigt, quieken sie. Wenn Sie sich keiner Bedrohung aussetzen wollen, begeben Sie sich nie zwischen eine Elefantenmutter und ihr quiekendes Kalb. Schreien ist die Erwachsenenversion des Quiekens und wird von ausgewachsenen Elefanten während ihrer Rangkämpfe verwendet oder wenn sie besonders wütend sind.
Serengeti-Elefanten
Während der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts konnten die gerade erst eingetroffenen Parkwächter und Verwalter die ersten einsamen Elefanten in die Serengeti einwandern sehen. Zwischen 1940 und 1960 glaubte man, dass Elefanten kein natürlicher Bestandteil des Ökosystems der Serengeti waren und in diese Gegend zum ersten Mal kolonialisierten. Erst als man Aufzeichnungen von Jägern und Forschern konsultierte, erkannte man, dass es in der Serengeti schon vor 1900 Elefanten gegeben hatte. Ab ca. 1880 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ließ der Elfenbeinhandel in Ostafrika die Anzahl der Elefanten rasch sinken. Zahllose Elefanten wurden getötet, die Überlebenden flohen in weit entfernte und unerreichbare Gegenden. Erst als der Elfenbeinhandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückging, konnten sich die Elefanten wieder erholen und ihre alten Lebensräume zurückerobern.
Die Elefanten erlebten zwischen 1960 und 1970 in der Serengeti einen Aufschwung. Sie vermehrten sich schnell und erreichten eine Population von 2.460 Tieren. Ab Mitte der 70er bis zum Ende der 80er Jahre durchlebten die Serengeti-Elefanten eine schwere Zeit. Der Preis des Elfenbeins stieg unaufhörlich und illegales Jagen beeinträchtigte die Elefantenpopulation stark. Bis zum Jahre 1990 gab es nur noch ca. 500 Elefanten im Park, 400-500 waren nach Kenia geflohen, die übrigen 1.500 waren von Wilderern getötet worden.
Mitte der 90er Jahre kehrten die Elefanten wieder aus Kenia in den Park zurück und begannen sich wieder verstärkt in der Serengeti zu vermehren. Heute gibt es eine Population von 2.100 Tieren, und die Mehrzahl der Elefanten haben Junge oder mindestens ein kleines Kalb. Bleibt das Handelsverbot für Elfenbein bestehen, können die Elefanten der Serengeti zuversichtlich in die Zukunft blicken.