Löwenjunges

Löwenjunges im Baum

Familienleben

Löwe

© Künkel/Shah

Eine Löwenstory

Sie liegen unter einem kleinen Busch der Serengeti-Ebene, fünf Löwendamen und ihre Jungen, und verdösen den Tag. Von Zeit zu Zeit, riskiert man ein Auge - ist Gefahr im Verzug? Doch dann sind die fünf Löwinnen plötzlich hellwach. Am Horizont nähert sich ein großer männlicher Löwe.

Männliche Löwen sind viel größer als Löwenweibchen. Sie kämpfen um die Vorherrschaft in einem Rudel. Wenn ein neuer männlicher Löwe ein Rudel übernimmt, tötet er erst einmal alle Jungen, weil so die Weibchen schneller wieder zur Fortpflanzung mit ihm bereit sind. Ein Löwenmännchen kann zwar ein Rudel führen und von seinen Jagderfolgen leben, aber es muss auch hart kämpfen, um sein Rudel vor anderen Löwen zu schützen, die nur darauf warten, seine Rolle zu übernehmen und alle von ihm gezeugten Jungtiere zu töten.

Diesen fünf Löwinnen droht Gefahr. Ihr Rudelführer ist nicht da, und dort erscheint ein neuer männlicher Löwe am Horizont. Dieser Löwe nähert sich, hält an, setzt sich, kommt noch näher. Die Weibchen wecken die Jungen und trotten unter der heißen Mittagssonne davon. Der neue Löwe folgt ihnen in einigem Abstand.

Nach langem Marsch sind die Weibchen erschöpft und müde und finden ein neues schattiges Plätzchen. Der Löwe kommt näher, setzt sich, schleicht sich weiter heran. Die Weibchen werden nervös, sie beobachten ihn mit großen, gelben Augen. Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt.

Das Männchen kommt immer näher - und plötzlich passiert es. Der Löwe hat eine unsichtbare Grenze überschritten, die Weibchen ergreifen die Initiative. Vier von ihnen traben auf den Löwen zu, die Ohren angelegt, die Augen zu Schlitzen verengt, die offenen Mäuler lassen ihre scharfen, gelben Zähne sichtbar werden. Der Löwe hält an, springt zurück. Die Weibchen sprinten los, die Körper dicht am Boden, sie greifen den überraschten Löwen an. Eine Staubwolke verdunkelt den Kampf, vereinzelt sind gefletschte Zähne und lange Krallen zu sehen.

Als der Staub sich wieder senkt, stehen die Weibchen keuchend in einem Kreis. In der Mitte liegt blutend der verängstigte Löwe auf dem Rücken, das deutlichste Zeichen der Unterwerfung in der Sprache der Raubkatzen. Ein kurzer Moment, dann greifen sie erneut an. Eine neue Staubwolke umgibt die Kämpfer. Und wieder ist der Kampf so schnell zu Ende wie er begann. Die vier Weibchen sitzen Schulter an Schulter. Der Löwe rennt so schnell er kann davon. Er hält seine verletzte Klaue an die Wange, blutet aus unzähligen, bösartigen Bisswunden, Rissen und Kratzern.

Die Weibchen kehren zu ihrem Baum zurück, als wäre nichts passiert, und widmen sich wieder ihren Jungen. Die Sonne geht unter, die Fliegen summen weiter und wieder geht ein Tag in der Serengeti zuende.

 
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