Termiten (Mchwa)
Termiten sind wichtig für die Serengeti, weil sie totes Pflanzenmaterial abbauen und den Boden bearbeiten. Überall in der Ebene und den Waldgebieten der Serengeti ragen ihre Hügel steil in die Höhe. Die aus Erde gebauten Termitenhügel werden durch den Speichel der Tiere zusammengehalten. Sie verändern die Beschaffenheit des Bodens und liefern vielen Tieren eine angenehme Heimstatt und hervorragende Aussichtspunkte.
Termiten sind klein, farblos oder cremefarben und leben vor allem unter der Erde, wo sie Gänge und Tunnels bauen, die sie zu ihrem bevorzugten Futter bringen. Sie fressen vor allem nachts - totes Laub, Holz, Pflanzen, Graswurzeln und eine Vielzahl von überirdisch wachsenden Pflanzen. Das Futter wird von Protozoen oder anaeroben Bakterien in ihrem Magen abgebaut und dann vom Tier absorbiert - ähnlich wie bei den Wiederkäuern.
Die Termitengesellschaft besteht aus 3 Kasten.
Die Aufgabe der ersten Kaste besteht in der Aufzucht von Königen und Königinnen. Das Königspaar lebt über Jahre hinweg im Zentrum des Termitenbaus. Es erzeugt alle anderen Termitenkasten. Geschlechtsreife junge Termiten verlassen den Bau in warmen Nächten, häufig nach dem Regen. Sie fliegen zu abertausenden durch die Luft auf der Suche nach Geschlechtspartnern und umwerben sich, indem sie hoch in die Luft steigen und sich dabei gegenseitig umkreisen. Bei diesen Flügen werden sie häufig durch elektrisches Licht verwirrt. Oft versammeln sie sich auch in gigantischen Schwärmen um künstliche Lichtquellen.
Die Arbeiter bilden die zweite Termitenkaste. Die unfruchtbaren Arbeiter haben normalerweise keine Augen und sind farblos. Sie sind für das Futtersammeln und die Instandhaltung des Baus verantwortlich. Die dritte Kaste sind die Soldaten. Diese Termiten sind größer, haben schwere, gut geschützte Köpfe und lange Zangen. Ihre Aufgabe besteht darin, den Bau vor eindringenden Ameisen oder anderen Feinden zu schützen.
Termitenbauten verfügen über lange vertikale Gänge, die bis weit in den Erdboden hinein reichen und die Kolonie mit frischer Luft versorgen. Diese Gänge bieten gleichzeitig vielen anderen Tieren wie Schlangen, Mungos und Mäusen ein angenehmes Zuhause. Kluge Menschen stecken niemals ihre Hand in die Öffnungen eines Termitenbaus...
Bei einer Safari in der Serengeti können Sie beobachten, wie Weißschwanzgnus, Topi-Antilopen, aber auch Jäger wie Geparden oder Löwen die Bauten der Termiten als nützliche Aussichtspunkte verwenden. In der Ebene erlaubt selbst eine Erhöhung von einigen Zentimetern einen beeindruckenden Überblick, der hilft, entweder Futter oder Gefahr zu entdecken.
Durch das Auftürmen von Erde tief aus dem Erdreich verändern Termiten die Landschaft der Serengeti grundlegend. Die Erde tief im Erdreich ist salz- und alkalihaltiger als das Erdreich der Oberfläche. So findet man im Umkreis eines jeden Termitenhügels salzhaltige Erde. Auf diesem mineralhaltigen Grund wachsen resistente Grassarten wie das Bermudagras (Cynodon dactylon) und die Fingerhirse (Digitaria macroblephora), die in der umliegenden Gegend nicht gedeihen. Dadurch, dass sie das Wachstum neuer Pflanzen ermöglichen, erhöhen Termiten die Vielfältigkeit der Lebensräume und so wahrscheinlich auch der Tierarten.
Die größten Feinde der Termiten sind Ameisen und Erdwölfe. Ameisen wie die Flüsterameisen sind auf den Angriff von Termiten und das Verzehren derselben spezialisiert. Flüsterameisen leben in Kolonien von nur wenigen Hundert Tieren und ziehen jeden Morgen aus, um Termiten zu suchen. Sobald die Truppe einen Termitenbau findet, scheinen sie sich für einen Moment zu beraten, teilen sich dann auf und umzingeln den Bau. Plötzlich greifen sie an und schnappen sich so viele Arbeitertermiten wie möglich, bis die Soldaten eingreifen. Wir können Flüsterameisenkolonnen beobachten, wie sie Straßen überqueren oder die Ebene durchwandern, dabei hat jede einzelne drei bis vier Termiten auf ihrem Kopf aufgetürmt. Seien Sie vorsichtig: Flüsterameisen, die bei Bedrohung ein flüsterndes Geräusch erzeugen, beißen sehr schmerzhaft zu.
Erdwölfe sind eine Hyänenart, die im Süden und Osten Afrikas lebt. Sie gleichen im Aussehen den Streifenhyänen, sind jedoch mit nur 50 cm kleiner als diese. Anders als andere Hyänen sind sie auf Insekten, insbesondere Termiten, spezialisiert. Jede Nacht wandern die Erdwölfe auf der Suche nach aktivenTermitenbauten durch Ebenen und Waldgebiete. Wenn der Erdwolf Termiten auf der Oberfläche findet, kann er bis zu einem kg an einem Abend verzehren. Dieses Tier ist ein Einzelgänger, obgleich sich offenbar Männchen und Weibchen auch Reviere teilen.