Jäger & Gejagte
"Jäger und Gejagte" - In der Serengeti beschwört dies das Bild einer kraftvollen, ockerfarbenen Raubkatze herauf, die eine Herde fliehender, samtäugiger Gazellen angreift. Sicher ist diese weite Ebene der beste Platz, um solche urzeitlichen und dramatischen Szenen zu beobachten. Doch hier ist fast jedes Lebewesen Jäger oder Gejagter - und sehr oft eben auch beides!
Für den unvoreingenommenen Beobachter sind die Großkatzen, Wildhunde und Hyänen mit ihren kraftvollen, schnellen Körpern, ihren scharfen Zähnen und spitzen Krallen offensichtlich hervorragend ausgestattete Mörder. Aber möglicherweise gibt es keine besseren Jäger in der Serengeti als eine Horde Mungos, existiert keine präzisere Mördermaschine als eine betende Gottesanbeterin, und die großen Jäger, auch wenn sie noch so spektakulär erscheinen, machen nur einen kleinen Anteil in der Energiebilanz des Systems aus.
Die kleineren Katzen, Wüstenluchs und Buschkatze, Schakal und Fuchs, Mungo und die mit ihm verwandte Ginsterkatze, die Raubvögel von Würger bis Adler und Stelzgeier, Igel, Spitzmaus, Krokodil und Schlange sind eine ganze Armee von jagenden Wirbeltieren - sie jagen einander ebenso unbarmherzig wie andere Beute. Die Adlereule frisst den Igel, das Krokodil den Schakal, der Stelzgeier die Schlange, die gerade einen Mungo verschlungen hat ... der gerade eine Schlange verspeist hat, ... die vollgefressen war mit einer Spitzmaus!
Und weiter unten auf der Skala operieren die Myriaden von Ameisenarmeen. Sie töten und räubern in einem Ausmaß, das man nicht mit ansehen könnte, würden größere Tiere es ihnen gleich tun.
Und die samtäugigen Gazellen - das klassische Beispiele für die "Gejagten"... Sie sind ebenfalls nur das sichtbare Ende der erbeuteten Lebewesen. Viele Pflanzen werden ebenfalls gejagt, und sie haben ebenso viele Mittel und Wege entwickelt wie die Tiere um zu verhindern, dass sie gefressen werden. Einige produzieren Giftstoffe, die jeden, der sie fressen möchte, belästigen oder sogar töten. Andere Arten verstecken sich einfach zwischen den ungenießbaren Sorten oder lassen ihre wertvollsten Teile unterirdisch wachsen. Akazien produzieren Unmengen von Stacheln, um sich zu schützen. Einige bieten stechenden Ameisen Schutz, um das Gefressenwerden noch unangenehmer zu machen. Wieder andere produzieren Tannine in ihren Blättern, sobald sie heftig berührt werden. Oder sie senden sogar ein chemisches Warnsignal aus, das andere Bäume in der Umgebung dazu anregt, sich ebenso zu schützen. Der Störenfried muss weiterziehen. Die Pflanzenjäger haben gnadenlos ebenfalls Wege entwickelt, um mit diesen Abwehrmechanismen umzugehen. Sie graben Knollen aus der Erde aus, schmieren Stacheln mit Speichel ein, werden immun gegen Gifte oder absorbieren sie und verwenden sie zu ihrem eigenen Schutz.
Siehe auch Die bösen Bäume Afrikas
Die Form folgt der Funktion. Die Form und Geschwindigkeit einer Gazelle und eines Geparden sind schlicht und einfach das Entwicklungsergebnis des Wettrennens zwischen Jäger und Gejagtem. Ebenso haben die Akazie und die Giraffe einander die Form gegeben. Wenn Sie also die Serengeti besuchen, schauen Sie nicht nur nach den großen Katzen und den donnernden Herden, Jäger und Gejagte umgeben Sie überall.