Die "Little Five"
Hinter den Steinen, versteckt im Gras und hoch auf den Akazienästen leben die "Little Five", die "Kleinen Fünf" der Serengeti. Sie sind vielleicht nicht die große, charismatische Megafauna wie die "Big Five", aber für den Kenner der Wildnis oder diejenigen, die nicht die klassische Safari suchen, sind die Kleinen Fünf eine faszinierende Alternative.
Der AmeisenLÖWE (Fuku-fuku)
Der NASHORNkäfer (Dudu)
Die ELEFANTENspitzmaus (Panya) (Elephantulus spp.)
Der BÜFFELweber (Ndege) (Dinemellia dinemelli boehmi)
Die LEOPARDENschildkröte (Kobe) (Geochelone pardalis)
Der Ameisenlöwe (Fuku-fuku)
Die Ameisen marschieren in Reih' und Glied mühsam weiter zu neuer Nahrung und angenehmem Weideland. Eines der Tiere ist für einen kleinen Moment abgelenkt und tritt in eine Vertiefung. Das Tier stemmt sich nach vorn, versucht weiterzumarschieren. Aber der Trichter gibt unter seinem Gewicht nach. Es stemmt sich mit dem zweiten Bein dagegen und rutscht nur noch weiter in den Trichter hinein. Es hebt den Kopf als Alarmzeichen und versucht aus dem Trichter herauszuklettern, der Sand rutscht weiter und weiter und deckt es fast zu.
Plötzlich tauchen am Boden zwei lange, haarige Beine auf. Das unglückselige Tier versucht nun nach oben aus dem Trichter herauszurennen und wird von einer heftigen Sandlawine überschüttet und am Weitergehen gehindert. Es rennt um sein Leben, die Beine schieben und schieben. Die Kreatur unter ihm spuckt immer weitere Sandlawinen aus und wirft sie hinauf zum Trichterrand, sodass sie dann das Opfer unter sich begraben.
Als die Ameise am Boden des Trichters anlangt, überstürzen sich die Dinge. Beine bewegen sich auf und ab, versuchen verzweifelt zu entkommen, der Sand wird zu einem Dauerregen, der vom Trichterrand herunterprasselt. Das Tier auf dem Grund des Trichters strampelt um sein Leben, bis es von einem haarigen Arm erfasst und auf den Grund gezogen wird. Die Ameise sinkt in den Sand, der Kampf ist vorbei.
Im Sonnenaufgang lag ich bäuchlings in einer sandigen Ecke der Schotterpiste, um zu beobachten, wie der Ameisenlöwe seine sechsbeinige Beute fängt. Ameisenlöwen sind hochspezialisierte Insekten, die im sandigen Boden ca. 5 cm große, konisch zulaufende Löcher graben und sich dann am Boden dieses Trichters verstecken. Bläst man in den Sand, ist der Ameisenlöwe schutzlos.
Im Larvenstadium sieht der Ameisenlöwe ein wenig aus wie ein Käfer - allerdings mit großen Mandibeln und einem kleinen Kopf. Das erwachsene Tier, das später aus der Erde hervorkriecht, ist ein fliegendes Insekt, das aussieht wie eine kleine Libelle. Wenn unbedarfte Ameisen in einen der Sandtrichter fallen oder von mir hineingeworfen werden, versuchen sie zum Trichterrand zurück zu rennen und rutschen immer wieder aus. Der Ameisenlöwe spürt die Vibrationen der rennenden Beute und taucht auf, um Sand über und vor die Ameise zu werfen. Wenn der Sand den Trichter hinabrutscht, rutscht auch die Ameise, die zum Schluss gepackt und in die düsteren Untiefen des schrecklichen "Simba des Sandes" gezogen wird.