Weißschwanzgnus

Weißschwanzgnus

Weißschwanzgnus

Weißschwanzgnus

© Künkel/Shah

Die "Great Migration"

"Ich habe mehr als 20 Jahre in der Serengeti verbracht, aber wenn ich über die großen Herden wandernder Weißschwanzgnus fliege oder sie beobachte, wie sie sich vor einer Flussdurchquerung versammeln, stockt mir immer noch der Atem und mein Herz klopft bis zum Halse. Nirgendwo in der Welt kann man solche atemberaubenden Szenen sehen, nirgendwo finden wir große Säugetiere in größerer Vielfalt und Anzahl."
(Dr. Markus Borner, Repräsentant der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt)

Migration: Wanderlust oder Überlebenszwang?

Die Weißschwanzgnus sind eine der wichtigsten Komponenten im Puzzle des Serengeti-Ökosystems. Ihre Wanderungen sind so alt wie die Geschichte der Menschheit. Über viele Jahrtausende hinweg folgten die Weißschwanzgnus dem Regen und nutzten das Ökosystem der Serengeti mit seinem Mosaik von Grasflächen und Savannen zu ihrem Vorteil. Jeden, der bisher die Wanderung von nahezu zwei Millionen Tieren beobachten durfte, bewegte dieses Schauspiel zutiefst. Obwohl die Weißschwanzgnus ein wenig an Clowns erinnern und nach einer afrikanischen Legende von Gott aus übriggebliebenen Ersatzteilen zusammengebaut wurden, ist dieses Tier hervorragend an sein Nomadenleben angepasst.

Die Gnus verbringen die Regenzeit von Dezember bis Juni in der vulkanischen Ebene des Ngorongoro-Kraters, wo das Gras üppig wächst und sehr reich an Nährstoffen ist. Hier gebären sie ihre Kälber. Die Kalbzeit ist kurz und die Feinde vergreifen sich in Anbetracht des Nahrungsüberflusses an verhältnismässig wenigen Neugeborenen. Nach dem Ende des Monsuns im Juni trocknet die Ebene aus und die Weißschwanzgnus wandern auf ihrer Suche nach frischen Weidegründen und Regen weiter Richtung Westen zum Victoriasee. Die Erde wird zu einer harten und trockenen Halbwüste, in der kein Gnu überleben könnte. Nur durch die Wanderung können die Weißschwanzgnus und Zebras die Möglichkeiten des Ökosystems voll nutzen und sich so stark vermehren. Wenn die Regenfälle enden, wandern die Herden nach Norden zur Maasai Mara, wo die zerklüfteten Felsen des Rift-Valleys die letzten Regenfälle selbst inmitten der Trockenzeit auffangen. Mit dem Beginn der Monsunregen im Dezember wandern die Weißschwanzgnus zurück in die saftigen Weiten der Serengeti.

Vater und Sohn Grzimek versahen Gnus und Zebras mit gelben Plastikhalsbändern, um ihre Wandermuster zu studieren. Heute verwendet die Zoologische Gesellschaft Frankfurt zum gleichen Zweck ein hochmodernes geographisches Ortungssystem via Satellit.

"Werden die Tiere da weiterleben können? Reichen die Ebenen, die Gebirge, die Flußniederungen und Buschsteppen des Parks aus, um diese letzten Riesenherden zu erhalten? Wir haben schon jetzt große Herden von Gnus außerhalb der Grenzen des Parks angetroffen. Gerade ist man dabei, ihn zu verkleinern und seine Grenzen zu verlegen. Niemand kann hinter den Armeen der Gnus, den Heerscharen der Gazellen herfahren, niemand weiß, wohin die hunderttausend Hufe stampfen. Wir sind voller Ahnungen und unruhig."
(Bernhard und Michael Grzimek - Serengeti darf nicht sterben).

Sehen Sie sich die Wanderroute an

Great Migration
Für mehr Informationen zur "Great Migration", laden Sie bitte die nachfolgende PDF-Datei (Englisch) mit einem Artikel von Dr. Markus Borner, Repräsentant der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in Ostafrika.

 
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