Sieben tapfere Nashörner kämpfen um das Überleben ihrer Art
von Dr. Markus Borner, Zoologische Gesellschaft Frankfurt
Nach dem großen Abschlachten durch Wilderer in den 80er Jahren hatten wir befürchtet, alle Nashörner im Serengeti-Nationalpark verloren zu haben. Plötzlich tauchten jedoch wieder zwei Nashornweibchen im Moru-Gebiet im Zentrum der Serengeti auf. Zwei Weibchen stellen nicht gerade eine Population dar, und so begannen wir, über ein Männchen für die beiden nachzudenken. Dabei hätten wir uns gar keine Gedanken machen müssen - einer der jungen Ngorongoro-Bullen verließ den Krater nach einem Kampf mit John, dem ranghöchstem Nashornbullen im Krater. Möglicherweise folgte er den alten traditionellen Pfaden: Plötzliche tauchte der junge Bulle, den wir "Rajabu" nannten, 100 Kilometer vom Krater entfernt in Moru auf, wo er offensichtlich von den beiden einsamen Damen freundlich empfangen wurde. Seither lebt er glücklich in seinem eigenen Paradies und kümmert sich um seinen neu gefundenen Harem. Nach seiner Ankunft kamen 4 Kälber zur Welt und die Serengeti-Moru-Population besteht nun aus 7 Tieren.
Für eine Gründerpopulation sind 7 Tiere natürlich zu wenig. Wir hoffen daher, dass wir noch weitere Vertreter der Unterart Diceros bicornis michaeli ansiedeln können, um eine überlebensfähige Kerngruppe bilden zu können. Möglicherweise können wir mehr Tiere aus dem Addo-Park in Südafrika bekommen. Die kenianischen Behörden haben signalisiert, dass sie in Erwägung ziehen, einige ihrer Nashörner an die Serengeti abzugeben.
Mit den drei verbleibenden Populationen des Serengeti-Ökosystems - eine in Ngorongoro, eine in Moru im Inneren der Serengeti und eine im kenianischen Maasai Mara Reservat im Norden der Serengeti - gibt es Hoffnung, dass diese archaischen Tiere langfristig wieder durch die ganze Serengeti streifen, so wie sie es getan haben, bevor die Gier der Menschen sie bis auf einige wenige Überlebende reduziert hat. Dieser Wandel wird nicht über Nacht stattfinden, Nashörner pflanzen sich nur langsam fort und die Wilderei ist nicht die einzige Gefahr, die ihre Existenz bedroht. Aber wir sind davon überzeugt, dass mit genügend Einsatz, Geduld, Genialität, Geld und Hoffnung die Nashörner der Serengeti eine Erfolgsstory des Tierschutzes schreiben werden.
--> "Herkulische" Anstrengung bringt Nashörner zum Ngorongoro