"Herkulische" Anstrengung bringt Nashörner zum Ngorongoro

Ein Erlebnisbericht über die Umsiedlung zweier schwarzer Nashörner
von Dr. Markus Borner, Zoologische Gesellschaft Frankfurt

Zwei gefährdete Schwarze Nashörner, eine Mutter mit Kalb, wurden im Dezember 1997 aus ihrer Heimat Südafrika mit einem Herkules-Flugzeug der Vereinigten Arabischen Emirate in den weltbekannten Ngorongoro-Krater in Tansania umgesiedelt. Dieser Transport war Teil einer multinationalen Aktion zur Rettung Afriks am stärksten bedrohter Art vor der Ausrottung.

Nashörner

© ZGF
Das Schwarze Nashorn wurde durch Wilderei von einer kontinentalen Population von mehr als 100.000 Tieren in den 60er Jahren auf heutzutage nur 2.400 Nashörner reduziert. Im Serengeti-Ngorongoro-Ökosystem haben weniger als 20 Tiere überlebt.

Die ausweglose Lage des Nashorns hat die afrikanischen Regierungen dazu bewogen, alles zu unternehmen, um die schwindenden Herden in ihren letzten Zufluchtsorten, wie zum Beispiel dem Ngorongoro-Krater, zu schützen. Ngorongoro ist ein Refugium, wo die Nashörner mithilfe eines Gemeinschaftsprojekts der Ngorongoro Conservation Area Authority und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt rund um die Uhr bewacht werden, und zwar sowohl von Anti-Wilderer-Patrouillen als auch von Wissenschaftlern, die ihr Verhalten, ihre Nahrungsaufnahme und ihre genetische Vielfalt beobachten. Ein wichtiger Bestandteil des afrikanischen Nashornschutzprogramms ist der Austausch von Nashörner unter den Nationalparks, um individuelle Nashornpopulationen auf eine Mindestgröße anzuheben und sie gegen Inzucht zu schützen.

Tierärztliche Versorgung

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Die Mutter und ihr Kalb, die in die Serengeti geflogen und dann nach Ngorongoro gefahren wurden, kommen aus dem südafrikanischen Addo-Nationalpark und werden gegen zwei andere Nashörner eingetauscht, eines aus Tansania und das andere aus Deutschland (wo es im Frankfurter Zoo zur Welt gekommen war). Die Addo-Nashörner haben eine interessante Geschichte: Sie selbst wurden ursprünglich aus Kenia eingeführt als Teil eines viel früheren Versuchs, die südafrikanischen Nashornherden wieder zu vergrößern. Zwei Nachkommen dieser früheren Migranten haben jetzt die lange Reise zurück nach Ostafrika unternommen.

Der Flugzeugtransport der Nashörner und ihre Ansiedlung im Ngorongoro-Krater war für uns alle von der ZGF ein echtes Ereignis. Richard, der junge Bulle, der im Austausch nach Südafrika geschickt werden sollte, war in der Nacht vor dem Flug aus seinem Gehege nahe dem Kilimanjaro-Flughafen entkommen. Polizei und Armee wurden gerufen, aber am Ende kehrte Richard mit Hilfe einiger Karotten, die ihm Dr. Pete Morkel; der für den Transport verantwortliche Nashornspezialist, anbot, wieder lammfromm in sein Gatter zurück. Zahlreiche kleinere Krisen folgten, eine davon waren die anhaltenden El-Niño-Regenfälle, die drohten, das große Herkules-Flugzeug auf der Seronera-Landepiste in der Serengeti im Schlamm versinken zu lassen. Hohe Fluten im Olduvai-Graben verhinderten dann beinahe, dass der Nashornkonvoi den Fluss überqueren konnte. Als die beiden Neuankömmlinge zu guter Letzt in ihrer neuen Heimat in Ngorongoro angekommen waren, hatte ich nicht einmal wahrgenommen, dass ich in kürzester Zeit genauso viele Zigarren geraucht hatte wie zum letzten Mal vor 20 Jahren - bei der Geburt meiner Tochter!

Flugzeugbeladung

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Obwohl die Anzahl der Nashörner in Ngorongoro zur Zeit gering ist, bieten die steilen Kraterwände und hervorragenden Nahrungsbedingungen innerhalb des Kraters der Population sehr gute Überlebenschancen. Das ältere der beiden eingeflogenen Nashörner hat zu Beginn des Jahres ein Kalb geboren. Leider haben Löwen das Kalb gerissen, als es erst drei Monate alt war. Obwohl man mit dem Lauf der Natur immer rechnen muss, waren alle, die an dem spektakulären Umzug beteiligt gewesen waren, sehr traurig darüber. Wir alle hoffen nun, dass sie bald wieder trächtig wird und dieses Mal gelernt hat, ihr Kalb gegen die Kraterlöwen zu verteidigen. Ihr älteres Kalb lebt mit den anderen Nashörnern zusammen, und wir hoffen, dass die beiden südafrikanischen Zuwanderer langfristig dazu beitragen können, eine gesunde Nashornpopulation im Krater aufzubauen.

 
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