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Endlose Ebenen
"I do not know of any country which is, in terms of earth, of solid matter, so nearly the equivalent of the sea. There seems to be no end of it"
Laurens van der Post, Venture to the Interior, 1963
Die großen Ebenen, die man hauptsächlich im Süden der Serengeti vorfindet, sind einer der Gründe für die jährliche Wanderung der Gnus. Während die Tiere die Trockenzeit im feuchteren, bewaldeten Norden verbringen, folgen sie später dem Regen immer weiter nach Süden, bis sie schließlich die Serengeti-Ebenen erreichen.
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Während der Regenzeit entsteht hier auf einer dünnen, wasserspeichernden Bodenschicht und angeregt durch den regelmäßigen "Grasschnitt" von über einer Million grasender Mäuler ein üppiges Weideland. Inmitten der reichlich vorhandenen Nahrung gebären die Gnuweibchen jetzt ihre Kälber, so dass sich in dieser Jahreszeit auch Raubtiere ein Fettpolster anfressen können. Denn mit den vielen, unerfahrenden Jungtieren befinden sich Löwen, Geparde und Hyänen plötzlich in einer Art Schlaraffenland mit scheinbar unendlichen Nahrungsvorräten. Mit Beginn der Trockenzeit beginnen die Wasserlöcher dann aber auszutrocknen, und das Gras verfärbt sich gelb. Das ist das Signal für die Gnus, ihre Wanderung wieder aufzunehmen. Zurück bleiben Thomsongazellen, Grantgazellen, Warzenschweine und Strauße. Sie können längere Zeit ohne Wasser auskommen und nehmen mit dem vorlieb, was noch an trockenen Pflanzenresten vorhanden ist, so dass sie selbst die Trockenzeit in den Ebenen überstehen können.
Die Serengeti-Ebenen lassen sich in drei Typen einteilen. Der erste sind die Kurzgrassareale, die im Ngorongoro-Gebiet beginnen und sich entlang des Flusses Oldupai bis in den Serengeti-Nationalpark erstrecken. Der zweite Typ sind die Mittelgrassavannen, die sich im Norden und Westen halbmondförmig an die Kurzgrassareale anschließen. Die Langgrassavannen liegen nördlich der Mittelgrassavannen und um Seronera herum.
Vor ein bis drei Millionen Jahren, also während des Pleistozän, wurden die heutigen Serengeti-Ebenen von Lava und Asche aus den Vulkanen des Ngorongoro-Gebietes bedeckt. Durch die Vulkanasche, die viele Salze wie Kalium, Natrium und Kalzium enthält, bildete sich in den Ebenen ein ganz spezieller Boden, denn diese Salze werden während der Regenzeit in den Boden gewaschen, wo sie ausfallen, so dass typische Ablagerungen zurückbleiben. In der Serengeti befinden sich diese Salzablagerungen in höchstens einem Meter Tiefe, wo sie eine Art "Kalksteinhorizont" bilden, der fast so hart ist wie Beton, so dass Baumwurzeln ihn nicht durchdringen können. Aus diesem Grund sind die Ebenen auch praktisch baumlos. Was für Bäume schlecht ist, kann für die Gräser aber durchaus gut sein, denn dank der festen Kalksteinschicht versickert das Regenwasser nicht in die Tiefe, sondern bleibt in der Nähe der Oberfläche. Dadurch können die Gräser ausgezeichnet wachsen, so dass den unterschiedlichen Tierarten ausreichend Nahrung zur Verfügung steht.
Durch die hohe Konzentration von Grasfressern in der Serengeti werden die Pflanzen in der Regenzeit natürlich ständig abgegrast. Und sehr kurz abgefressenes Gras wächst schneller wieder nach und enthält noch mehr Wasser und Nährstoffe. Mit anderen Worten: Durch das ständige Abgrasen schaffen sich die Tiere eine üppige Weide mit besonders hochwertigem, schnell nachwachsendem Gras.
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