Die Vegetation der Savanne
Der Serengeti-Nationalpark besteht aus Gras- und Waldländern, Ebenen, Kopjes (Granitfelsen) und Sümpfen. All diese Gebiete bilden eine Savanne.
"Savanne" - ein allgemeiner Begriff für jede Form halbtrockener Landstriche vom offenen Grasland bis hin zu Waldland und allen möglichen Mischungen von Gräsern und Bäumen. Savannen bedecken ein Viertel der Erdoberfläche, in ihnen leben mehr Tiere als in jeder anderen Vegetationsform.
Ein Charakteristikum der Savannen ist das Feuer. Wenn das Gras der Savanne nicht vollständig von den Tieren verwertet wurde oder erfroren ist, beginnt es gelegentlich zu brennen.
Durch eine hohe Zahl sesshafter Tiere und häufige Brände bilden Savannen sehr dynamische Landstriche, die sich schnell verändern können. Dadurch sind sie wissenschaftlich von hohem Interesse, und für die Parkverwaltung ist es wichtig, ihre Funktion zu verstehen.
Die bösen Bäume Afrikas
Einige der geläufigsten Pflanzenarten der Serengeti
Leberwurstbaum (Kigelia Afrikana)
Dieser große Baum findet sich überall in der Serengeti. Er trägt die für ihn typischen, bis zu einem Meter langen, fleischigen, giftigen Früchte, die vom Baum herabfallen und Samen freisetzen, während das Fruchtfleisch verfault. Die rebenartigen Fruchtstängel sind noch Monate, nachdem die Frucht abgefallen ist, sichtbar. Es gibt einen typischen Witz in der Serengeti, der besagt, dass der schlechteste Platz zum Übernachten unter einem Leberwurstbaum liegt... wenn Sie nicht von den 5 kg schweren Früchten erschlagen werden, dann tun die Elefanten das ihrige, wenn sie zum Einsammeln der Früchte anrücken. Ein alter Aberglaube besagt, dass die Frucht des Wurstbaumes in der Hütte aufgehängt Wirbelwinde abwehrt.
Würgerfeige (Ficus thonningii)
Die Würgerfeige beginnt ihr Leben als kleine, rebenartige Pflanze, die den nächstgelegenen hohen Baum erklettert und dann dicker wird. Dabei bildet sie ein verzweigtes Netz stützender Luftwurzeln und erdrosselt ihren Wirtsbaum. Die Würgerfeige ist von herkömmlichen Feigenbäumen einfach zu unterscheiden - das Unterteil der Würgerfeige ist an den Stellen, an denen sie mit ihrem Wirtsbaum verbunden war, knorrig und mehrfach gewunden, das Oberteil ist glatt. Die Würgerfeige findet sich häufig auf den charakteristischen Granitfelsen, den Kopjes, und entlang der Flüsse in der Serengeti. Zwei große Feigenbäume nahe der Serengeti, der "Baum wo der Mensch geboren ist", in Süd-Loliondo, und der "Ahnenbaum", nahe Endulin im Ngorongoro, sind bedeutend für die Einwohner, die Maasai.
Wilde Dattelpalme (Phoenix reclinata)
Palmen sind einkeimblättrige Pflanzen. Die Adern in ihren Blättern sind parallel und unverzweigt. Sie sind daher verwandt mit Gräsern, Lilien, Bananen und Orchideen. Die Wilde Dattelpalme ist die häufigste der einheimischen Palmen. Sie steht an Flussufern und in Sümpfen. Die Früchte sind essbar, schmecken jedoch grässlich. Der dicke, zuckerhaltige Palmsaft wird zu Palmwein verarbeitet. Der Baum bietet einen angenehmen, leise raschelnden, duftenden Schatten. Die Art von Schatten, die Sie benötigen, nachdem Sie den Palmwein gekostet haben.
Candelabra Euphorbia (Euphorbia candelabrum)
(Ja, der Name ist genau so umzudrehen)
Die Kandelabereuphorbie ist im westlichen und nördlichen Teil der Serengeti weit verbreitet. Wie alle Wolfsmilchgewächse bricht die Candelabra leicht und enthält große Mengen an weißem, extrem giftigem Latex. Ein Tropfen dieses Latex kann zum Erblinden führen oder die Haut verbrennen. Der Baum wird traditionell als Viehzaun gepflanzt, weil Raubtiere nicht versuchen, diese giftige und dichte Hecke zu durchbrechen. An einigen Orten in der Serengeti, die vor der Ernennung zum Nationalpark besiedelt waren, sind noch solche Candelabra-Kreise zu sehen.
Myrrhenstrauch (Commiphora Afrikana)
Der Myrrhenstrauch lässt sich leicht durch die sich abschälende, gelblich-blaue Rinde von den Akazienbäumen unterscheiden. Diese Bäume finden sich überall in der Serengeti. Sie sind die dominante Spezies im östlichen Teil des Parks. Die ortsansässigen Mediziner verwenden Rinde, Wurzeln und Beeren für eine Vielzahl von Behandlungen wie Magenschmerzen, Leberprobleme, Koliken bei Kindern und Hautausschlägen. Es gibt verschiedene Arten von Myrrhensträuchern in der Serengeti; Commiphora Afrikana ist die häufigste.
Gelbfieberbaum (Acacia xanthophloea)
Der Gelbfieberbaum ist in der Serengeti in Feuchtgebieten mit schwarzem Boden, wie er in Uferbereichen zu finden ist, weit verbreitet. Frühe Siedler in Kenia und Indien wussten, dass Malaria in der Nähe stehender Gewässer häufiger auftrat, sie machten allerdings die gelben Akazien dafür verantwortlich anstelle der Moskitos. So entstand der Name "Gelbfieberbaum".
Regenschirmbaum (Acacia tortilis)
Dieser Baum kann als Wahrzeichen Afrikas bezeichnet werden. Die Acacia tortilis wächst in beeindruckenden Gebilden in der Savanne überall in der Serengeti. Die Setzlinge dieses Baumes sind die Lieblingsnahrung der Elefanten und können Buschbrände nicht überleben. Tortilis-Bäume hatten in den letzten 100 Jahren nur zweimal Gelegenheit zu wachsen. Daher sind alle Tortilis-Bäume in der Serengeti entweder 100 oder 20 Jahre alt.
Flötenakazie (Acacia drepanolobium) (Ameisen-Akazie)
Klopfen Sie an einen Ast und Sie werden eine Überraschung erleben. Die Dornen dieses eigentümlich aussehenden Baumes sind hart und mit Hohlräumen versehen. Und diese Hohlräume sind voll von beißenden Ameisen. Der Baum bietet diesen Ameisen gleichermaßen Wohnraum und Nahrung in Form von speziellen blütenähnlichen Strukturen, dem "extra-floralen Nektar". Diese Bäume wachsen zahlreich, wo immer der Boden gesättigt ist.
Balanites-Baum (Balanites aegyptia) (Wüstendattel)
Der Balanites- oder Zachunbaum wird häufig mit der Akazie verwechselt. Aber er lässt sich leicht durch seine grünen Dornen unterscheiden. Dieser Baum trägt dattelartige Nüsse, die sowohl roh als auch geröstet (mit Zimt) sehr schmackhaft sind. Die grünen Stachel sind angeblich photosynthetisch, so dass der Baum auch ohne Blätter wohlauf ist.
Zahnbürstenbaum (Salvadora persica)
Der Zahnbürstenbaum ist ein niedriger Busch mit charakteristischen, über die gesamte Pflanze verteilten, langen Knospen. Die noch grünen Knospen werden von den Einwohnern abgeschnitten und als Zahnbürsten verwendet. Zunächst wird ein Ende gekaut, bis es an eine normale Zahnbürste erinnert, dann werden die Zähne damit geputzt und die noch vorhandenen Holzteilchen immer wieder ausgespuckt. Das mag zwar unangenehm klingen, aber das Lächeln der Bewohner zeugt von guter Arbeit.
Rotes Gras (Themeda triandra)
Themeda färbt sich beim Trocknen dunkelrot. Es handelt sich hier um eine der wichtigsten Grasarten in den Gras- und Feuchtsavannen der Serengeti. Dieses Gras wächst normalerweise als dichter Busch, in den Grassteppen kann es jedoch zur dominanten Grassorte werden und wächst dann in weiten Abständen wie ein Weizenfeld. Weißschwanzgnus fressen rotes Gras. Allerdings wird es meistens nur dann verzehrt, wenn die gaumenfreundlicheren Sorten aufgebraucht sind.
Pan Dropseed (Sporobolus ioclados) (zuvor Marginatus)
Diese Sporobolus-Art bildet zusammen mit der Fingerhirse die beiden dominanten Arten in den Kurzgrasebenen. Beide Arten wachsen in einer Zwergenform, die in manchen Fällen schwer zu erkennen ist. Die harte Bodenschicht verhindert, dass die Gräser tiefe Wurzeln entwickeln. Die große Zahl von Pflanzenfressern während der feuchten Jahreszeit führen zur Ausbildung dieser niedrigeren Grasformen.
Roter Dropseed (Sporobolus festivus)
Diese Grasart ist nicht sehr verbreitet in der Serengeti, aber wir führen sie hier auf, weil wir den Namen so unterhaltsam finden... "Sporobolus festiiiiiiivus!" Dieser Name beruht auf der "feierlichen" Anordnung der Samen. Das Gras wächst gemischt mit rotem Gras in den Langgrasebenen und als dünner Ring um die meisten Kopjes herum.
El-Niño-Blume (Hibiscus cannabinus)
Während der letzten El-Niño-Regenfälle wuchs diese Pflanze im Übermaß überall in der Serengeti - so erhielt sie den Namen "El-Niño-Blume". Diese einjährige Pflanze wächst fast jedes Jahr in den Uferregionen oder in der feuchten Jahreszeit in den sumpfigen Gegenden Ostafrikas. Beim Fotografieren der Hibiskusblüten sollten Sie Vorsicht walten lassen: die meisten Vertreter dieser Gattung haben giftige Härchen, die Ihre Haut bei Berührung reizen und Juckreiz hervorrufen.
Mexikanischer Mohn
Hier handelt es sich um eine invasive Art in der Serengeti. Sie wurde über den Südwesten des Ngorongoro-Kraters mit einer Lieferung Weizensamen eingeführt. Gemeinsam mit anderen invasiven Pflanzen wie dem Feigenkaktus (Opuntia sp.) und dem Custard Oil (Rhyciuus sp.) stellt der mexikanische Mohn eine ernsthafte Bedrohung des Ökosystems der Serengeti dar. Während der 60er Jahre ruinierte der Feigenkaktus tausende Quadratkilometer Farmland in der Australischen Savanne. Durch den mexikanischen Mohn sind einige Gebiete bei Karatu nicht mehr zu bewirtschaften, da diese Pflanze sowohl mit Getreide als auch mit den einheimischen Pflanzen konkurriert. Die Bedrohung, die von einer invasiven Art ausgeht, indem sie die Vegetationsstruktur und somit die wildwachsenden Pflanzen verändert, ist real und unmittelbar. Karatu ist nur 8 Kilometer vom Eingang zum Serengeti-Nationalpark entfernt und einzelne Vertreter dieser Gattung wurden schon innerhalb des Parks gesichtet...
Referenzen
Trees of Kenia. 1989. T.C. Noad und A. Birnie. Self Published, Box 40034 Nairobi, Kenia.
With assistance of Kul Graphics, Nairobi, Prudential Printers, Nairobi, und General Printers, Nairobi.
Collins Guide to the Wild Flowers of East Afrika. 1987. Sir Michael Blundell. William Collins Sons & Co. Ltd. London
Plant Ecology
Für ein genaueres Studium der faszinierenden und empfindlichen Welt der Pflanzen laden Sie bitte die nachfolgende PDF-Datei (Englisch).